Nicht dein Glück, nicht dein Schmerz, nicht deine Ausreden und schon gar nicht diese herrlich arrogante Illusion, dass irgendetwas bleibt, nur weil du dich daran klammerst wie ein betrunkener Koala an einen Laternenmast.
Menschen tun gerne so, als wären Zustände für immer. Wenn es gut läuft, glauben sie plötzlich, das Leben hätte ihnen einen Dauervertrag unterschrieben. Wenn es schlecht läuft, benehmen sie sich, als wäre die aktuelle Krise die offizielle Endfassung ihrer Existenz. Beides ist Unsinn. Das Leben ist kein Möbelstück, das man einmal hinstellt und dann bleibt es brav dort stehen. Es bewegt sich, kippt, bricht, wächst, verschwindet und stellt dir zwischendurch noch Dinge vor die Füße, für die es natürlich keine Bedienungsanleitung gibt.
Das Gute dauert nicht ewig, und genau deshalb solltest du aufhören, es wie Hintergrundrauschen zu behandeln. Menschen gewöhnen sich erstaunlich schnell an Glück, Nähe, Gesundheit, Liebe, Sicherheit und all die kleinen Dinge, die erst dann wichtig wirken, wenn sie weg sind. Solange sie da sind, werden sie konsumiert wie Gratis-WLAN. Man bemerkt sie kaum, meckert trotzdem über die Geschwindigkeit und wundert sich später, warum man nicht dankbarer war, als das Leben noch freundlich geklungen hat.
Aber auch das Schlechte dauert nicht ewig. Ja, ich weiß, wenn du mittendrin steckst, fühlt es sich anders an. Dann wirkt Schmerz wie ein Mietvertrag ohne Kündigungsfrist und jedes Problem wie ein besonders hartnäckiger Mitbewohner mit schlechter Hygiene. Aber auch Krisen verändern sich. Nicht immer schnell, nicht immer elegant, nicht immer mit diesem hübschen Happy-End-Gefasel, das Menschen gern erzählen, wenn sie selbst gerade nicht bluten. Aber sie bleiben nicht exakt gleich, außer du fütterst sie täglich mit denselben Gedanken, denselben Mustern und derselben dramatischen Treue zum eigenen Elend.
Nichts dauert ewig heißt auch: Du hast keine Garantie. Nicht für Menschen, nicht für Chancen, nicht für Beziehungen, nicht für Körper, nicht für Zeit. Und genau das ist der Punkt, an dem viele beleidigt werden, weil sie offenbar dachten, das Leben sei ein schlecht organisierter Kundenservice mit Rückerstattung bei emotionaler Unzufriedenheit. Ist es nicht. Menschen gehen. Phasen enden. Türen schließen sich. Dinge, die einmal selbstverständlich waren, werden irgendwann Erinnerung. Das ist nicht unfair, das ist Leben, auch wenn es sich manchmal benimmt wie ein Arschloch mit Kalender.
Diese Vergänglichkeit ist brutal, aber sie ist auch gnädig. Stell dir vor, alles würde ewig dauern. Jeder Fehler, jede Peinlichkeit, jede dumme Entscheidung, jede schlechte Beziehung, jede innere Dunkelheit. Viel Spaß in diesem Museum der eigenen Fehltritte. Nichts dauert ewig ist nicht nur Drohung, sondern Befreiung. Es bedeutet, dass du nicht für immer bleiben musst, wo du gerade bist. Es bedeutet, dass auch du dich verändern darfst, selbst wenn dein Umfeld dich gern in deiner alten Version ausstopfen und ins Wohnzimmer stellen würde.
Natürlich macht das Angst. Weil nichts ewig dauert, musst du bewusster leben. Du kannst nicht immer warten, bis der perfekte Moment mit Blumenstrauß und schriftlicher Einladung vor deiner Tür steht. Du kannst nicht jeden Menschen auf später verschieben, nicht jede Wahrheit unter den Teppich treten und nicht jede Entscheidung in den Keller deiner Feigheit tragen. Irgendwann ist später vorbei. Und dann stehst du da mit all den Dingen, die du nie gesagt, nie gewagt und nie wirklich gelebt hast, weil du dachtest, Zeit sei ein endloser Vorratsschrank.
Am Ende ist „nichts dauert ewig“ keine depressive Weisheit für Menschen mit Regenwolke über dem Kopf. Es ist eine Erinnerung. Schätze, was da ist. Überlebe, was gerade schwer ist. Lass los, was vorbei ist. Und hör auf, so zu tun, als wäre irgendein Zustand dein endgültiges Urteil. Alles bewegt sich. Alles verändert sich. Alles endet irgendwann. Die Frage ist nur, ob du währenddessen lebst oder dich weiter an Dinge klammerst, die längst dabei sind, dich loszulassen.
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