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Du wirst älter. Dein Gesicht wird das irgendwann verraten

Linda Hamilton (Sarah Connor in den Filmen Terminator) formuliert dazu einen Gedanken, der in unserer weichgefilterten Hochglanzwelt fast schon revolutionär klingt: „Ich verschwende keinen einzigen Moment damit, in irgendeiner Weise jünger aussehen zu wollen. Ich habe mich einfach voll und ganz damit abgefunden, dass dies das Gesicht ist, das ich mir verdient habe. Und es sagt mir so viel.“ Genau dieser Satz zerlegt einen ganzen Industriezweig mit erstaunlich wenig Aufwand.

Wir leben schließlich in einer Zeit, in der fünfzigjährige Menschen auf Fotos aussehen sollen wie fünfundzwanzigjährige Menschen, die wiederum mit Filtern versuchen auszusehen wie computergenerierte Zwölfjährige mit Immobilienkredit. Jede Falte wird behandelt, als hätte sie sich nachts illegal ins Gesicht geschlichen. Augenringe sind keine Folge eines Lebens mehr, sondern ein kosmetischer Notfall. Und irgendwo sitzt die Beauty-Industrie zufrieden daneben und erklärt dir, dass dein natürlicher Alterungsprozess dringend ein Abo braucht.

Dabei erzählt dein Gesicht eine ziemlich interessante Geschichte. Es zeigt, dass du gelacht, gezweifelt, verloren, gewonnen, durchgehalten und vermutlich mehr als einmal Entscheidungen getroffen hast, bei denen dein heutiges Ich gerne kurz in die Vergangenheit reisen und dir eine Watschn geben würde. Genau daraus entsteht ein Mensch. Nicht aus Porzellanhaut und einem Instagram-Filter namens „Forever 23“.

Natürlich darfst du dich pflegen. Du darfst trainieren, Cremes benutzen, zum Friseur gehen und alles tun, womit du dich gerne im Spiegel ansiehst. Problematisch wird es dort, wo Pflege zum Krieg gegen die eigene Biografie wird. Wer jeden sichtbaren Hinweis auf das eigene Alter beseitigen möchte, sollte sich irgendwann fragen, ob er wirklich jünger aussehen möchte oder schlicht Angst davor hat, dass Zeit sichtbar geworden ist.

Altern ist keine persönliche Niederlage. Die Alternative dazu genießt erstaunlicherweise einen deutlich schlechteren Ruf. Trotzdem reden wir über jedes graue Haar, als hätte unser Körper gerade die AGB verletzt. Mit zwanzig wollen wir ernst genommen werden, mit vierzig wollen wir aussehen wie dreißig und mit sechzig wundern wir uns dann vermutlich, warum wir Jahrzehnte damit verbracht haben, vor einem Prozess davonzulaufen, den noch niemand gewonnen hat.

Ich mag den Gedanken vom „Gesicht, das ich mir verdient habe“. Nicht, weil jede Falte automatisch Weisheit bedeutet, denn manche Menschen schaffen es durchaus, gleichzeitig alt und bemerkenswert lernresistent zu werden. Alter ist schließlich keine akademische Qualifikation. Interessant wird es erst, wenn die Jahre tatsächlich etwas hinterlassen haben, außer Geburtstagskerzen und Passwortproblemen.

Vielleicht sollte die spannendere Frage deshalb nicht lauten: „Wie sehe ich zehn Jahre jünger aus?“ Vielleicht lautet sie: „Was erzählen diese zehn Jahre über mich?“ Habe ich gelebt oder hauptsächlich versucht, Erwartungen zu erfüllen? Habe ich Dinge gewagt, Beziehungen beendet, Grenzen gesetzt, Fehler korrigiert und gelegentlich herzlich über den kompletten Irrsinn gelacht?

Denn irgendwann schaust du ohnehin in den Spiegel und siehst nicht mehr das Gesicht mit zwanzig. Das ist keine Fehlfunktion. Das ist das verdammte Konzept. Der Versuch, mit sechzig auszusehen wie dreißig, ist ungefähr so sinnvoll wie ein Buch nach 300 Seiten zurück auf Seite 40 zu schminken.

Das Interessante am Älterwerden ist deshalb nicht, möglichst wenig davon sichtbar werden zu lassen. Es ist die Frage, ob du mit dem Menschen leben kannst, der unter diesen sichtbaren Jahren entstanden ist. Ein glattes Gesicht kann keine ungelebten Entscheidungen kaschieren, genauso wenig wie eine Falte beweist, dass jemand sein Leben verstanden hat. Entscheidend bleibt, ob du dich heute ansehen kannst und weißt: Ja, dieses Gesicht gehört zu meinem Leben, nicht zu irgendeiner Werbekampagne.

Falls du beim Blick in den Spiegel weniger über Falten und mehr über die Geschichten dahinter nachdenken möchtest, könnte mein Buch „Reiß dich mal zusammen, du Lappen!“ unangenehm passend sein. Es geht um Eigenverantwortung, Selbstführung und darum, nicht permanent vor dem eigenen Leben davonzulaufen, nur weil die Realität nicht aussieht wie die bearbeitete Version, die man sich vorgestellt hat. Du findest das Buch unter https://lappen.lifearchitect.at/.

Du musst nicht jünger aussehen, um wertvoller zu sein. Sorge lieber dafür, dass das Gesicht, das du dir mit den Jahren verdienst, auf ein Leben zurückblickt, das mehr hinterlassen hat als eine beeindruckend glatte Stirn.

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