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Natürlich merke ich mir das. So wie ich mir merke, warum ich gerade in die Küche gegangen bin, welchen

Natürlich merke ich mir das. So wie ich mir merke, warum ich gerade in die Küche gegangen bin, welchen genialen Gedanken ich vor dem Einschlafen hatte und wo ich diesen einen wichtigen Zettel hingelegt habe, den ich ganz sicher nicht verlieren wollte. Mein Gehirn ist da absolut zuverlässig. Wie ein Lagerhaus ohne Licht, ohne Regale und mit einem betrunkenen Praktikanten an der Warenausgabe.

Es beginnt immer gleich. Ein Gedanke taucht auf. Eine Idee. Eine Aufgabe. Ein Name. Ein Termin. Etwas, das wichtig genug ist, um kurz aufzublitzen, aber offenbar nicht wichtig genug, um es in diese revolutionäre Erfindung namens Notiz zu übertragen. Und dann kommt dieser innere Hochstapler mit Bruststimme: „Keine Sorge, das behalten wir.“ Wer ist „wir“? Ich und der senile Kobold in meinem Frontallappen?

Zehn Minuten später ist es weg. Nicht verschwommen. Nicht schwer abrufbar. Weg. Als hätte mein Kopf ein kleines schwarzes Loch direkt neben dem Bereich für „eigentlich wichtig“ installiert. Und dann stehe ich da, starre ins Leere und versuche mit der geistigen Würde eines defekten Druckers zu rekonstruieren, was gerade noch glasklar war. Erfolglos natürlich. Aber hey, Hauptsache, ich kann mich an Songtexte aus den Neunzigern erinnern, die seit Jahrzehnten keinen praktischen Nutzen mehr haben.

Besonders großartig wird es bei Ideen. Diese kleinen kreativen Blitze, die meistens dann kommen, wenn man gerade nicht schreiben kann: unter der Dusche, beim Autofahren, kurz vorm Einschlafen oder mitten in einem Gespräch, in dem man sozial nicht komplett aussteigen sollte. Dann denkt man: „Das ist so gut, das vergesse ich nie.“ Süß. Wirklich süß. Der Satz allein ist schon das akustische Geräusch einer zukünftigen Enttäuschung.

Und dann liegst du später im Bett und weißt nur noch: Es war genial. Revolutionär. Weltverändernd. Mindestens ein Buchkapitel, vielleicht ein Businessmodell, eventuell die Antwort auf alles. Aber der Inhalt? Weg. Zurück bleibt nur das Gefühl, dass dein eigenes Gehirn dich gerade bestohlen hat und jetzt irgendwo im Hinterzimmer sitzt und kichert.

Die Wahrheit ist: Aufschreiben ist keine Schwäche. Es ist keine Kapitulation vor dem Alter, keine organisatorische Spießigkeit und kein Beweis dafür, dass du ohne Notiz-App verloren bist. Es ist einfach Respekt vor der Tatsache, dass dein Gehirn kein Archiv ist, sondern ein hyperaktiver Affe mit Stromanschluss. Es jongliert Gedanken, Ängste, Erinnerungen, Einkaufslisten, alte Peinlichkeiten und zufällige Werbejingles gleichzeitig. Natürlich fällt da etwas runter.

Also ja, ich schreibe es mir lieber auf. Nicht, weil ich meinem Kopf gar nichts zutraue. Sondern weil ich ihn kenne. Und Vertrauen ist gut, aber eine Notiz ist besser, besonders wenn der eigene Verstand regelmäßig beweist, dass er wichtige Informationen behandelt wie kostenlose Flyer am Bahnhof.

„Das merke ich mir“ ist keine Strategie. Es ist ein Abschiedsgruß an einen Gedanken, den du nie wiedersehen wirst. Schreib es auf, du Held. Sonst bleibt dir am Ende nur dieses vertraute, leere Starren und der stille Satz: „Da war doch irgendwas.“

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