Etwas fasziniert mich immer wieder nach Trennungen.
Wie schnell aus einem Menschen plötzlich ein Problem wird.
Gestern noch war das der Partner.
Der Mensch, den man geliebt hat.
Mit dem man Pläne gemacht hat.
Mit dem man gelebt hat.
Und heute?
Heute ist er plötzlich toxisch.
Ein Narzisst.
Ein Fehler.
Ein Kapitel, das man am liebsten aus der eigenen Geschichte streichen würde.
Für dieses Spiel habe ich heute spontan einen Namen gefunden:
Ex-Shaming.
Also dieses nachträgliche Schlechtmachen eines Menschen, den man einmal geliebt hat.
Man erklärt plötzlich, warum der andere eigentlich schon immer falsch war.
Warum man das alles „hätte sehen müssen“.
Warum diese Beziehung im Grunde ein Irrtum war.
Ich frage mich dabei immer: Was genau bringt einem das?
Denn die einfache Wahrheit bleibt bestehen.
Ihr wart zusammen.
Ihr habt euch geliebt.
Und irgendwann habt ihr gemeinsam herausgefunden, dass es als Paar nicht funktioniert.
Mehr ist eigentlich nicht passiert.
Die Beziehung hat nicht funktioniert.
Das bedeutet nicht automatisch, dass einer der beiden Menschen „schlecht“ war.
Manchmal passen zwei Menschen einfach nicht zusammen.
Wie zwei Puzzleteile aus unterschiedlichen Schachteln.
Beide können völlig in Ordnung sein.
Nur eben nicht miteinander.
Und dann wird es noch interessanter.
Wenn aus dieser Beziehung Kinder entstanden sind.
Denn in dem Moment, in dem du den anderen Elternteil ständig schlecht machst, erzählst du indirekt auch eine andere Geschichte:
Dass ein Teil der Herkunft deiner eigenen Kinder ein Fehler war.
Und das ist eine ziemlich merkwürdige Botschaft.
Kinder sind keine Fußnote einer gescheiterten Beziehung.
Sie sind das Ergebnis von etwas, das einmal echt war.
Vielleicht ist es deshalb manchmal erwachsener, eine viel einfachere Wahrheit stehen zu lassen:
Wir haben uns geliebt.
Es hat eine Zeit funktioniert.
Dann nicht mehr.
Und das Leben ist weitergegangen.
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