„Drei Mal darfst du raten.“ Nein, danke. Ich habe weder Zeit noch Lust, an deinem kleinen Informations-Karneval teilzunehmen, wenn der Hauptgewinn ohnehin nur die Information ist, die du mir sowieso geben wolltest.
Kennst du diese Menschen, die ein Gespräch nicht einfach beginnen können, sondern erst ein Ratespiel daraus machen müssen? „Du glaubst nie, wen ich getroffen habe.“ Doch, vermutlich glaube ich es schon, wenn du es einfach sagst, Sybille. „Schätz mal, wie alt der ist.“ Warum? Du weißt es doch. „Drei Mal darfst du raten.“ Nein. Ich darf genau null Mal raten, weil ich kein Kandidat in deiner Wohnzimmer-Quizshow bin.
Ich verstehe diesen Kommunikationsstil nicht. Wenn du mir etwas erzählen willst, erzähl es. Wenn du eine Information hast, gib sie weiter. Wenn du eine Überraschung aufbauen willst, dann bitte mit Substanz und nicht mit diesem verzögerten Informationsaustausch, der sich anfühlt, als hätte jemand Smalltalk mit einem kaputten Ladebalken kombiniert. Das ist kein Spannungsaufbau. Das ist Datenübertragung mit angezogener Handbremse.
Besonders schön ist dieses „du glaubst nie“. Doch. Menschen glauben erstaunlich viel, wenn man ihnen einfach sagt, worum es geht. Ich glaube dir sogar, dass du jemanden getroffen hast. Ich glaube dir auch, dass jemand älter oder jünger aussieht, als er ist. Was ich nicht glaube, ist, dass mein Leben durch drei falsche Schätzungen irgendwie reicher wird. Der Preis ist ja keine Reise nach Mallorca, sondern die Antwort, die du sowieso schon in der Hand hältst wie ein Kleinkind mit einem Keks.
Noch schlimmer ist „schätz mal mein Alter“. Das ist keine Frage, das ist eine soziale Falle mit Hautcreme im Hintergrund. Sagst du zu jung, bist du ein Schleimer. Sagst du zu alt, hast du gerade einen Krieg begonnen. Sagst du genau richtig, war es Glück und trotzdem unangenehm. Warum sollte ich freiwillig an einem Spiel teilnehmen, bei dem der Hauptgewinn eine emotionale Tretmine ist? Sappalot, sag einfach dein Alter oder lass es bleiben.
Ich frage mich wirklich, wo das herkommt. Irgendwer muss ja irgendwann gedacht haben: „Weißt du, was Gespräche besser macht? Wenn ich die Information künstlich zurückhalte und den anderen erst mal raten lasse.“ Dieser Mensch war vermutlich komplett überzeugt, gerade die Kommunikation revolutioniert zu haben. In Wahrheit hat er nur das Gespräch in einen Wartebereich verwandelt, in dem die Neugier auf Plastikstühlen sitzt und langsam aggressiv wird.
Vielleicht bin ich da zu nüchtern. Vielleicht fehlt mir dieses verspielte Element, dieser kleine soziale Tanz, dieses charmante Vorgeplänkel, bei dem man so tut, als wäre eine banale Information ein streng gehütetes Staatsgeheimnis. Kann sein. Ich persönlich mag Gespräche, in denen Menschen sagen, was sie sagen wollen, ohne vorher eine Schnitzeljagd durch meine Geduld zu veranstalten. Verrückt, ich weiß. Fast schon radikal effizient.
Am Ende ist es ganz einfach: Wenn du etwas erzählen willst, erzähl es. Wenn du eine Frage hast, stell sie. Wenn du eine Information besitzt, die du teilen möchtest, dann tu nicht so, als müsste ich sie mir erst durch drei Rateversuche verdienen. Ich bin gerne neugierig, aber ich bin nicht dein Quizbuzzer mit Puls. Und wenn der einzige Preis deines Spiels die Antwort ist, die du ohnehin geben wolltest, dann überspringen wir doch einfach den Zirkus und kommen direkt zum Punkt.
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