Das war wirklich der Auslöser. Kein göttlicher Download, kein dramatischer Autorenmoment, kein Whiskeyglas am Fenster, während draußen der Regen gegen die Scheiben prügelt. Einfach ein Meme. Ein dummer, genialer, viel zu ehrlicher Satz, der sich in meinem Kopf festgebissen hat wie ein Terrier mit Persönlichkeitsentwicklungsproblem. Andere hätten gelacht und weitergescrollt. Mein Gehirn hat offenbar beschlossen, daraus ein komplettes Buch zu machen, weil normale Impulskontrolle ja etwas für Anfänger ist.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits „Authentizität ungefiltert“ am Markt. Ein interaktives Arbeitsbuch darüber, wer du wirklich bist, wenn du aufhörst, dich für andere zurechtzuschneiden und deine eigene Wahrheit ständig weichzuspülen. Dazu kamen schon andere Bücher, zwei davon gemeinsam mit meiner Frau, meiner Nachteule. Ich war also nicht neu in diesem ganzen Autorenwahnsinn aus Kaffee, Selbstzweifeln, Tastaturgeräuschen und der romantischen Frage, warum man sich freiwillig mit seinen eigenen Gedanken einsperrt.
Und genau deshalb passte dieses Meme so perfekt. „Authentizität ungefiltert“ stellt die Frage: Wer bist du wirklich, wenn du dich nicht mehr versteckst? „Reiß dich mal zusammen, du Lappen“ stellt die deutlich unangenehmere Anschlussfrage: Und warum zur Hölle lebst du es dann nicht? Das eine ist der Spiegel. Das andere ist der Tritt gegen die Ausrede, die vor dem Spiegel steht und sagt: „Ja, aber heute ist irgendwie nicht der richtige Tag.“
Denn seien wir ehrlich: Viele Menschen wissen längst, was zu tun wäre. Sie wissen, welches Gespräch überfällig ist, welche Entscheidung sie vermeiden, welche Gewohnheit sie klein hält und welche Version von sich selbst endlich aus dem Keller geholt werden müsste. Aber statt zu handeln, wird weiter analysiert, gefühlt, verschoben, erklärt und natürlich noch mal „reingespürt“. Sehr tief. Sehr reflektiert. Sehr praktisch, wenn man einfach weiter nichts tun will.
Genau aus diesem Grund wurde aus dem Meme ein Buch. Nicht, weil ich Menschen beleidigen wollte. Das erledigen sie mit ihrer Selbstsabotage oft schon beeindruckend zuverlässig. Sondern weil dieser Titel genau diesen inneren Anteil trifft, der alles versteht, alles reflektiert und trotzdem nichts verändert. Diesen Anteil, der Selbstmitleid für Tiefe hält, Aufschieben für Prozess und Feigheit für Vernunft. Kurz gesagt: den Lappen in uns allen.
„Reiß dich mal zusammen, du Lappen“ ist also nicht einfach ein lustiger Titel. Es ist der Satz, den dein bequemstes Ich niemals hören wollte. Und vielleicht ist genau das der Punkt. Manchmal entsteht aus einem Meme ein Witz. Manchmal entsteht aus einem Witz ein Buch. Und manchmal entsteht aus einem Buch der Moment, in dem du endlich aufhörst, dich selbst mit schönen Erklärungen zu betäuben.
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