LifeArchitect.at Selbstführung beginnt, wo Selbstbetrug endet.

Bei einem Mann wird der Satz übrigens keinen Millimeter

Bei einem Mann wird der Satz übrigens keinen Millimeter klüger.

Er klingt nach Selbstbewusstsein, Wildheit und einer Persönlichkeit, die angeblich nur für besonders starke Menschen geeignet ist. In Wahrheit bedeutet er oft etwas wesentlich Unromantischeres: „Ich rechne bereits damit, dass mein Verhalten schwierig wird, und erkläre vorsorglich dich zum Problem, sobald du damit nicht klarkommst.“ Das ist keine Stärke. Das ist ein Warnhinweis, der sich für eine Charaktereigenschaft hält.

Kein Mensch braucht jemanden, der ihn „handhaben“ kann. Du bist kein widerspenstiges Motorrad, kein gefährliches Tier und keine technische Störung mit hübschem Profilbild. Beim Dating sollte es nicht darum gehen, wer ausreichend belastbar ist, um dein Chaos auszuhalten. Es sollte darum gehen, ob zwei Menschen ehrlich, respektvoll und verantwortlich miteinander umgehen können.

Natürlich darfst du intensiv sein. Du darfst laut lachen, klare Ansichten haben, emotional reagieren, Grenzen setzen und dein eigenes Leben führen. Du darfst widersprüchlich sein, Fehler machen und Tage haben, an denen du selbst nicht genau weißt, was gerade in dir los ist. Menschlichkeit ist schließlich keine sauber sortierte Schublade.

Aber Intensität ist keine Freikarte. Verletzendes Verhalten wird nicht attraktiver, nur weil man es „Temperament“ nennt. Rücksichtslosigkeit wird nicht zu Authentizität, nur weil sie selbstbewusst vorgetragen wird. Und fehlende Selbstreflexion wird nicht plötzlich sexy, nur weil irgendein Spruch auf Social Media daraus eine „starke Frau“ oder einen „Alpha-Mann“ bastelt.

Wer sagt: „Du kannst mich nicht handhaben“, stellt die Beziehung schon am Anfang als Prüfung auf. Der andere soll beweisen, dass er stark genug ist, Ausbrüche, Rückzug, Eifersucht, Unklarheit oder ständige Grenztests zu ertragen. Sobald er sich wehrt, war er eben zu schwach. Ein erstaunlich bequemes System, weil die Verantwortung immer dort landet, wo man sie selbst nicht anschauen braucht.

Ein ehrlicherer Satz wäre: „Ich habe Seiten an mir, die nicht immer einfach sind, und ich lerne, verantwortungsvoll damit umzugehen.“ Das klingt weniger spektakulär, aber deutlich erwachsener. Denn eine gute Beziehung entsteht nicht, wenn einer alles aushält. Sie entsteht, wenn beide sich zeigen können, ohne den anderen für das eigene Innenleben haftbar zu machen.

Meine Frau, meine Nachteule, und ich haben unsere beiden Beziehungsbücher genau für diese Realität geschrieben. Nicht für perfekte Paare, die dekorativ Händchen halten und Konflikte nur aus Erzählungen kennen. „Gemeinsam wachsen“ bietet konkrete Werkzeuge für Kommunikation, Vertrauen, Konflikte und bewusste Partnerschaft. „Lena und Max“ erzählt von zwei Menschen, die sich zwischen Schweigen, Distanz, Verletzungen und Nähe wieder ehrlich begegnen lernen.

Wir brauchen in Beziehungen keine Menschen, die uns „handhaben“. Wir brauchen Menschen, die uns ernst nehmen, Grenzen aussprechen und bereit sind, gemeinsam hinzusehen. Und wir brauchen den Mut, auch den eigenen Anteil zu erkennen, statt jede unangenehme Rückmeldung als Beweis zu verwenden, dass der andere einfach nicht stark genug für uns sei. Liebe ist kein Belastungstest, sondern gemeinsame Verantwortung.

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Du bist nicht „zu viel“. Aber du bist verantwortlich dafür, wie du mit anderen umgehst.

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