LifeArchitect.at Selbstführung beginnt, wo Selbstbetrug endet.

Ich muss gar nix, außer sterben

Ach wirklich, Bärbel? Dann herzlichen Glückwunsch zur erfolgreichen Kündigung deines Vertrags mit der Realität.

Irgendein selbsternannter Eso-Wunderwuzzi hat dir vermutlich bei Klangschale und Räucherstäbchen ins dritte Auge geflüstert, dass du in Wahrheit überhaupt nichts „musst“. Seitdem gehst du beseelt durchs Leben und hast das böse Wort aus deinem spirituellen Betriebssystem gelöscht. Du musst nicht arbeiten, keine Rechnungen bezahlen, keine Verantwortung übernehmen und natürlich auch keine unangenehmen Gespräche führen. Du darfst das alles höchstens, schließlich wollen wir dein inneres Kind nicht mit Verbindlichkeiten traumatisieren.

Und technisch gesehen hast du sogar recht. Du musst deine Stromrechnung nicht bezahlen, du kannst auch im Dunkeln sitzen. Du musst nicht zur Arbeit gehen, du darfst auch ausprobieren, wie sich finanzielle Freiheit ohne Einkommen anfühlt. Du musst deine Zähne nicht putzen, du kannst später die transformative Erfahrung einer Zahnprothese genießen. Konsequenzen sind nämlich ausgesprochen unsensibel, sie interessieren sich einen feuchten Kehricht dafür, welche Wörter du bevorzugst.

Natürlich klingt „Ich darf heute arbeiten“ wesentlich energetischer als „Ich muss heute arbeiten“. Wunderbar, wenn dir diese sprachliche Änderung hilft, Verantwortung bewusster zu erleben. Problematisch wird es nur, wenn aus Sprachhygiene Realitätsverweigerung wird und du glaubst, Verpflichtungen verschwänden, weil du ihnen einen weicheren Namen gibst. Du kannst einen Steuerbescheid schließlich auch „Einladung zum finanziellen Loslassen“ nennen, das Finanzamt bleibt erstaunlicherweise humorlos.

Das ist überhaupt eine faszinierende Spezialität unserer Zeit: Wir ändern nicht unser Verhalten, wir ändern die Bezeichnung dafür. Faulheit wird zu Selbstfürsorge, Angst wird zu „Ich bin noch nicht bereit“, Aufschieben wird zu „Ich vertraue auf den richtigen Zeitpunkt“ und Verantwortungslosigkeit bekommt einen hübschen Leinenanzug mit der Aufschrift „Ich muss gar nichts“. Klingt deutlich schöner. Funktioniert nur ungefähr so gut wie „Ich bin nicht pleite, mein Geld lebt gerade in finanzieller Distanz“.

Genau da beginnt die Lappenlüge. Nicht dort, wo du tatsächlich eine Pause brauchst oder eine Grenze setzt, sondern dort, wo du Verantwortung so lange sprachlich massierst, bis deine Bequemlichkeit wie persönliche Entwicklung aussieht. Mein Buch macht genau diesen Unterschied: Selbstführung bedeutet nicht, dich brutal durch dein Leben zu prügeln, sondern ehrlich zu erkennen, wann du eine echte Grenze hast und wann du dir gerade eine verdammt elegante Ausrede bastelst.

Denn ja, du „musst“ theoretisch gar nichts. Du musst nicht trainieren, wenn du gesund bleiben willst. Du musst nicht reden, wenn du eine Beziehung erhalten willst. Du musst nicht handeln, wenn du etwas verändern willst. Du musst dann lediglich mit dem Ergebnis leben, und erstaunlicherweise lässt sich das Ergebnis nicht mit Urvertrauen bestechen.

Besonders schön wird es bei „Ich bestelle beim Universum“. Natürlich, Bärbel, nur zu. Bestell dir Erfolg, Gesundheit, Liebe, Geld und ein Chalet am Wolfgangsee, vielleicht gibt es ab drei Manifestationen kostenlosen Versand. Aber während du deine Bestellung energetisch abschickst, wäre es eventuell revolutionär, zusätzlich aufzustehen und irgendetwas dafür zu tun.

Das ist nämlich der unangenehme Kern: Freiheit bedeutet nicht, dass du nichts musst. Freiheit bedeutet, dass du entscheiden kannst, was du tust, und bereit bist, die Konsequenzen dieser Entscheidung zu tragen. Genau deshalb ist Selbstverantwortung unbequem und gleichzeitig befreiend, denn sobald du handelst, bist du nicht mehr Zuschauer deines eigenen Lebens.

Du kannst also weiterhin sagen: „Ich muss gar nix.“ Kein Problem. Vielleicht ergänzt du den Satz nur um den ehrlichen zweiten Teil: „Und deshalb muss ich auch mit dem leben, was passiert, wenn ich nix tue.“ Plötzlich klingt die große spirituelle Befreiung ein kleines bisschen weniger nach Erleuchtung und ein kleines bisschen mehr nach erwachsen werden.

Wenn du dich bei diesem Text öfter ertappt als empört gefühlt hast, dann ist „Reiß dich mal zusammen, du Lappen!“ vermutlich keine schlechte nächste Lektüre. Das Buch streichelt deine Ausreden nicht, es nimmt ihnen die Perücke ab: Selbstbetrug, „kein Bock“, ewiges Warten auf Motivation und die bequeme Hoffnung, irgendjemand oder irgendetwas werde dein Leben schon für dich regeln. Wenn du lieber weiter beim Universum bestellst, spar dir das Buch. Wenn du bereit bist, Verantwortung wieder selbst zu übernehmen, findest du es hier: https://lappen.lifearchitect.at/

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