Dieser Bienen-Fliegen-Spruch ist kein Zeichen von Weisheit.
Er ist meistens nur Arroganz mit Kalenderspruch-Fassade.
Denn sobald jemand sich selbst zur Biene erklärt, ist das Spiel doch schon gelaufen.
Dann steht das Urteil vorher fest.
Man selbst ist natürlich das edle, bewusste, honigliebende Wesen.
Der andere ist dann die Fliege.
Also geistig, moralisch oder energetisch irgendwo im Bereich Restmüll.
Wie praktisch.
So muss man nicht mehr diskutieren.
Nicht mehr zuhören.
Nicht mehr denken.
Man erklärt sich einfach selbst zur höheren Lebensform und nennt das dann Reife.
Das ist nicht reflektiert.
Das ist intellektuelle Selbstbefriedigung mit Insektenvergleich.
Und blöd ist nur:
Wer so unterwegs ist, lernt nichts mehr.
Gar nichts.
Denn wer glaubt, anderen grundsätzlich überlegen zu sein, hört keine anderen Meinungen mehr.
Er scannt nur noch nach Bestätigung für seine eigene Überlegenheit.
Alles andere wird aussortiert.
Als dumm.
Als niedrig.
Als toxisch.
Als nicht auf dem eigenen Level.
Fertig ist der moderne Vollidiot mit Erleuchtungsfilter.
Und genau deshalb ist dieser Spruch so beliebt.
Nicht weil er tief wäre.
Sondern weil er perfekt zur Zeit passt.
Heute gibt es ja fast nur noch richtig oder falsch.
Für oder gegen uns.
Erleuchtet oder verloren.
Haltung oder Feindbild.
Echte Diskussionen, in denen zwei Menschen unterschiedlicher Meinung sein durften, ohne sich gleich gegenseitig zum geistigen Sondermüll zu erklären, sind heute fast schon Retro.
So 90er.
Damals, als man noch streiten konnte, ohne sofort moralisch zu hyperventilieren.
Heute reicht schon Widerspruch
und irgendein selbsternannter Bewusstseinsakrobat erklärt dich zur Fliege,
nur weil du seinen Honig nicht fressen willst.
Wer sich selbst zur Biene erklärt, ist oft nicht weise.
Nur zu arrogant, um andere überhaupt noch als Menschen auf Augenhöhe wahrzunehmen.
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