„When the new me has to bring back the old me to handle business. Don’t ever think it’s not in me.“
Dieser Satz hat bei mir einen Gedanken ausgelöst, der mich ehrlich gesagt ein bisschen beschäftigt hat.
Weil ich früher etwas anderes erzählt habe.
Ich habe oft gesagt:
Wenn du dich verändern willst, musst du dein altes Ich begraben.
Und ja, dieser Gedanke hat einen wahren Kern.
Wenn du wachsen willst, kannst du nicht ständig in denselben alten Mustern bleiben.
Aber ich merke heute, dass ich damals etwas Wichtiges übersehen habe.
Dein altes Ich verschwindet nicht.
Es wird nicht gelöscht.
Es verschwindet höchstens aus deinem Alltag.
Es liegt irgendwo im Keller deiner Vergangenheit.
Mit all den Erfahrungen.
Mit all den Fähigkeiten.
Mit all den Seiten von dir, die dich einmal geprägt haben.
Ich habe zum Beispiel eine Maschinenschlosser-Lehre gemacht.
Ich arbeite heute nicht mehr als Maschinenschlosser.
Trotzdem weiß ich noch, wie man ein Schloss repariert oder austauscht.
Auch wenn ich das manchmal jahrelang nicht brauche.
Die Fähigkeit ist trotzdem da.
Wenn sie gebraucht wird, kann ich sie abrufen.
Und genau so ist es wahrscheinlich auch mit unserem „alten Ich“.
Du kannst dich verändern.
Du kannst ruhiger werden.
Bewusster.
Klarer.
Aber das, was du einmal warst, verschwindet nicht einfach.
Und ganz ehrlich:
Diese Erkenntnis hat mich auch über meine eigenen Coachings nachdenken lassen.
Gerade dort habe ich Menschen oft vermittelt, sie müssten ihr altes Ich komplett hinter sich lassen.
Heute sehe ich, dass ich es ihnen damit vermutlich sogar schwerer gemacht habe.
Weil Veränderung nicht bedeutet, einen Teil von dir zu löschen.
Sondern zu lernen, wann welche Version von dir sinnvoll ist.
Manchmal brauchst du die ruhige Version.
Manchmal die reflektierte.
Und manchmal muss der alte Zombie kurz aus dem Keller kommen, um Dinge zu regeln.
Das gehört eben auch dazu.
Und ich weiß schon, wer bei solchen Gedanken sofort Schnappatmung bekommt.
Die Esoteriker, die glauben, man könne seine Vergangenheit einfach energetisch löschen.
Die werden sich beim Lesen dieses Textes wahrscheinlich gerade ein paar Kristalle ins Knie drücken.
Aber vielleicht liegt genau da der Unterschied.
Der eine lebt in einer spirituellen Fantasiewelt.
Der andere in der Realität.
Und in der Realität verschwindet deine Vergangenheit nicht.
Du lernst nur, bewusster mit ihr umzugehen.
Und ja.
Diese Erkenntnis hätte ich vielleicht schon früher haben können.
Aber besser spät als nie.
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