Sobald du das erkennst, hast du zumindest eine echte Wahl.

Ich finde, wir unterschätzen oft, wie sehr das, was wir erleben, mit dem zusammenhängt, was wir über uns selbst für wahr halten. Wir schauen auf unsere Gefühle, unsere Gedanken, unser Verhalten und denken, das alles passiert uns einfach. Als wären Emotionen so etwas wie Wetter. Heute halt schlecht, morgen besser. Dabei lohnt es sich manchmal, einen Schritt zurückzugehen und sich eine unbequemere Frage zu stellen: Was müsste ich eigentlich über mich selbst glauben, damit ich mich in genau dieser Situation so fühle, so denke und so verhalte, wie ich es gerade tue?

Denn nichts von dem entsteht im luftleeren Raum. Jede Erfahrung hat einen inneren Bauplan. Bevor du dich klein fühlst, musst du irgendwo geglaubt haben, dass du klein bist. Bevor du dich wertlos fühlst, muss da eine Überzeugung sein, dass dein Wert verhandelbar ist. Bevor du dich ständig anpasst, muss da die Annahme sein, dass du nur dann sicher bist, wenn du gefällst. Diese Überzeugungen laufen meist im Hintergrund. Still. Automatisch. Und genau deshalb wirken sie so mächtig.

Ich mag das Bild vom Haus, weil es das greifbar macht. Deine Überzeugungen sind der Bauplan. Das, was du über dich, über andere und über die Welt für wahr hältst. Deine Gefühle sind die Bauarbeiter, die diesen Plan umsetzen. Deine Gedanken sind das Baumaterial, aus dem Wände, Decken und Fenster entstehen. Dein Verhalten ist die Art, wie gebaut wird, hektisch, vorsichtig, stabil oder wackelig. Und deine Erfahrung ist am Ende das Leben in diesem Haus. Das ist das, was du tagtäglich erlebst.

Wenn sich dieses Haus eng anfühlt, kalt oder unsicher, dann bringt es wenig, nur die Möbel umzustellen. Ein bisschen an den Gedanken schrauben hier, ein bisschen am Verhalten feilen dort. Das kann kurzfristig helfen, aber der Grundriss bleibt derselbe. Und irgendwann stehst du wieder in denselben Räumen und wunderst dich, warum sich nichts wirklich verändert.

Der eigentliche Hebel liegt tiefer. Nicht bei der Frage, wie du dich gerade fühlst, sondern bei der Frage, was du über dich glauben musst, damit du dich so fühlst. Und wenn du anfängst, das ehrlich zu erforschen, kommst du oft sehr schnell an die Stellen, an denen diese Überzeugungen entstanden sind. Du erinnerst dich daran, von wem du sie übernommen hast. In welchen Situationen sie Sinn gemacht haben. Und warum sie damals vielleicht sogar notwendig waren.

An diesem Punkt wird oft so getan, als bräuchte man jetzt ein großes Ritual, irgendeinen symbolischen Akt, um diese Überzeugungen zu löschen oder zu „heilen“. Ich halte das für unnötig kompliziert. Du kannst die Vergangenheit nicht umschreiben. Du kannst nichts ausradieren, was einmal da war. Und du musst das auch nicht. Es reicht, wenn du erkennst, was da wirkt. Wenn du die Überzeugung benennen kannst. Wenn dir klar wird, dass sie aus einer anderen Zeit stammt und heute nicht mehr dienen muss. Die Veränderung passiert nicht im Rückblick, sondern immer nur im Hier und Jetzt. In dem Moment, in dem du die Überzeugung erkennst und bereit bist, ihr nicht mehr blind zu folgen.

Wenn sich der Bauplan ändert, ändert sich mit der Zeit alles andere mit. Die Emotionen reagieren anders, weil sie nicht mehr denselben Auftrag haben. Die Gedanken bekommen eine andere Qualität, weil anderes Baumaterial verwendet wird. Das Verhalten wird weniger zwanghaft und mehr aus Wahl heraus. Und irgendwann merkst du, dass du in einem anderen Haus lebst. Nicht, weil du dich repariert hast, sondern weil du aufgehört hast, auf einem Grundriss zu wohnen, der dir nie wirklich entsprochen hat.

Das ist kein schneller Prozess. Es ist eher so, als würdest du langsam begreifen, dass du dein Leben nicht nur bewohnst, sondern auch mitgestaltest. Und dass vieles von dem, was sich wie Schicksal anfühlt, in Wahrheit die logische Konsequenz dessen ist, was du tief in dir für wahr hältst. Sobald du das erkennst, hast du zumindest eine echte Wahl. Und manchmal ist genau diese Wahl der Anfang von echter Veränderung.

Wolfgang +43 676 900 1845

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