Menschen werden unglaublich leicht zu lesen, sobald du aufhörst, Ausreden für sie zu erfinden.

Es ist fast schon ironisch, wie glasklar jemand plötzlich wirkt, wenn du aufhörst, olympiareife mentale Verrenkungen zu machen, um sein Verhalten zu rechtfertigen.

Wir sind nämlich verdammt gut darin, andere zu entschuldigen. Er meint es sicher nicht so. Sie hatte halt einen schlechten Tag. Er kann einfach nicht anders. Sie hat halt ihre Themen. Und ja, manchmal stimmt das sogar. Menschen haben Geschichte. Menschen haben Stress. Menschen haben blinde Flecken.

Besonders interessant wird das bei Menschen, die einem nahe stehen. Bei Familienmitgliedern. Bei Mentoren. Bei sogenannten spirituellen Führungsfiguren. Bei Lehren und Systemen, die behaupten, dir zu dienen. Oder bei Menschen, die dir einmal aus einer schwierigen Situation geholfen haben und diese „Macht“ später nutzen, um dich emotional an sich zu binden.

Gerade dort fällt es uns am schwersten, klar zu sehen. Weil Dankbarkeit im Spiel ist. Loyalität. Hoffnung. Die Angst, undankbar zu sein. Oder die Angst, sich einzugestehen, dass jemand, zu dem man aufgesehen hat, nicht so handelt, wie man es von ihm erwartet hätte.

Aber ganz ehrlich?
Oft ist dieses Erklären einfach nur unser eigener Versuch, etwas erträglich zu machen, das eigentlich ziemlich eindeutig ist.

Wir relativieren, interpretieren und bauen ganze Gedankengebäude, nur damit wir nicht das Offensichtliche sehen müssen. Dass jemand respektlos ist. Oder manipulativ. Oder Grenzen überschreitet. Oder seine Rolle ausnutzt. Nicht, weil er es nicht besser wüsste, sondern weil es für ihn funktioniert.

Das Lustige ist: In dem Moment, in dem du aufhörst, diese Ausreden zu basteln, wird alles plötzlich simpel. Nicht einfacher im emotionalen Sinn, aber klarer. Du hörst nicht mehr nur auf Worte. Du schaust auf Verhalten. Auf das, was jemand tut, wenn es unbequem wird. Auf Muster. Auf Wiederholungen. Auf Konsequenzen.

Und auf einmal brauchst du keine komplizierten Erklärungen mehr.
Du siehst einfach: Aha. So ist diese Person, wenn sie Macht hat.
Aha. So sieht ihr Respekt aus, wenn niemand hinschaut.
Aha. So fühlt sich Nähe an, wenn Erwartungen im Raum stehen.

Das kann weh tun. Weil Klarheit oft bedeutet, Abschied von Illusionen zu nehmen. Von Bildern, die man sich von Menschen gemacht hat. Von Rollen, die man ihnen zugeschrieben hat. Von der Hoffnung, dass es „eigentlich“ anders gemeint war.

Aber es ist auch befreiend.

Denn solange du Ausreden für andere erfindest, verbiegst du vor allem dich selbst. Du erklärst Dinge schön, die sich längst nicht mehr gut anfühlen. Du bleibst in Dynamiken, die du nur aushältst, weil du sie dir immer wieder neu erklärst.

Menschen werden nicht plötzlich anders, nur weil du sie besser verstehst.
Aber sie werden sehr klar, wenn du aufhörst, sie zu entschuldigen.

Und vielleicht ist genau das der Punkt, an dem Selbstrespekt anfängt.
Nicht dort, wo du härter wirst.
Sondern dort, wo du ehrlicher hinschaust.

Wolfgang +43 676 900 1845

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