Heute bin ich über eine Aussage gestolpert, die unglaublich viele Likes hatte. So ein Satz, bei dem viele nicken, weil sie sich darin wiedererkennen. „Manchmal frage ich mich ehrlich, wofür ich mir eigentlich immer so viel Mühe gebe, wenn am Ende nichts zurückkommt.“
Und ich verstehe den Schmerz dahinter. Dieses Gefühl, viel zu investieren und sich irgendwann leer zu fühlen. Dieses „Ich gebe mir so Mühe und keiner sieht es wirklich“. Das ist menschlich. Aber die Schlussfolgerung, die viele daraus ziehen, ist eine Falle.
Denn wer Dinge nur tut, um etwas zurückzubekommen, wird am Ende fast zwangsläufig enttäuscht werden. Nicht, weil die Welt böse ist, sondern weil du dein Handeln an eine Bedingung geknüpft hast, die du nicht kontrollieren kannst. Du machst dein eigenes Glück, deinen Wert und deine Zufriedenheit abhängig davon, was andere dir zurückgeben. Und das ist ein ziemlich wackeliges Fundament.
Entweder du gibst etwas, weil du es geben willst.
Oder du gibst es nicht.
Aber du kannst nicht geben und gleichzeitig innerlich eine Rechnung offenhalten. In dem Moment ist es kein Geben mehr, sondern ein Geschäft. Ein stiller Handel. Ich gebe dir das und erwarte dafür das. Aufmerksamkeit. Anerkennung. Dankbarkeit. Liebe. Bestätigung. Irgendetwas, das mir das Gefühl gibt, dass sich mein Einsatz gelohnt hat.
Das Problem ist nur: Die meisten Menschen wissen nichts von dieser inneren Rechnung. Sie haben keinen Vertrag unterschrieben. Sie schulden dir nichts. Und trotzdem entsteht in dir Enttäuschung, weil dein inneres Konto nicht ausgeglichen wird.
So entsteht dieser leise Groll. Dieses Gefühl, ständig mehr zu geben als zu bekommen. Dieses „Ich tue doch so viel für alle“. Und irgendwann kippt Großzügigkeit in Bitterkeit. Nicht, weil Geben falsch wäre, sondern weil Erwartungen daran geknüpft wurden, die nie ausgesprochen wurden.
Das ist hart, aber befreiend, wenn man es einmal wirklich versteht. Du kannst entweder aus dir heraus geben. Aus Überzeugung. Aus Freude. Aus Klarheit darüber, wer du sein willst. Oder du lässt es bleiben. Beides ist ehrlich. Beides ist sauber.
Was nicht funktioniert, ist Geben als Investition in zukünftige Gegenleistungen. Denn dann bist du nicht großzügig, sondern abhängig. Abhängig davon, wie andere reagieren. Und damit gibst du dein inneres Gleichgewicht aus der Hand.
Wenn du so denkst, wirst du tatsächlich auf Dauer unglücklich. Nicht, weil du zu viel gibst, sondern weil du dein Geben an Bedingungen geknüpft hast, die du nicht kontrollieren kannst.
Geben und gleichzeitig etwas erwarten ist kein Geben.
Es ist Handel.
Wolfgang +43 676 900 1845
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