Du bist und bleibst a Trottl

Ich finde ja faszinierend, wie beharrlich Menschen an „ihrer Version“ eines anderen festhalten.

Oder noch besser: an der Meinung anderer über diese Person.

Da reicht ein Satz.
„Der ist halt so.“
„Mit der stimmt was nicht.“
„Typisch.“

Und zack – fertig ist das Etikett. Eingeschweißt. Haltbar bis in alle Ewigkeit.

Was mich daran wirklich wundert: Wir wissen doch bei uns selbst ganz genau, dass wir uns ständig verändern. Mein Vergangenheits-Ich gibt es nicht mehr. Die Version von mir vor fünf Jahren würde ich heute kaum wiedererkennen. Und wer ich morgen sein werde? Keine Ahnung. Ich hoffe klüger. Wahrscheinlich auch widersprüchlicher.

Veränderung ist bei uns selbst selbstverständlich.
Bei anderen offenbar unmöglich.

Da wird eine Szene aus 2018 zum Charaktermerkmal erklärt. Ein Fehler zur Identität gemacht. Ein Gerücht zur Wahrheit erhoben. Und wenn jemand sich weiterentwickelt, dann wird das ignoriert – weil es nicht ins bestehende Bild passt.

Es ist fast schon ironisch: Wir verlangen für uns Verständnis, Kontext, Wachstum und zweite Chancen. Aber bei anderen picken wir uns die Version heraus, die uns am besten in den Kram passt – und die bleibt dann bitte genau so.

Warum eigentlich?

Vielleicht, weil es bequemer ist. Wenn ich dich in eine Schublade stecke, muss ich nicht neu hinschauen. Ich muss nicht prüfen, ob sich etwas verändert hat. Ich muss nicht mein Urteil überdenken. Mein Weltbild bleibt stabil. Du bleibst berechenbar.

Und mal ehrlich: Wie oft basiert dieses Bild nicht einmal auf eigener Erfahrung, sondern auf Erzählungen? Auf „Ich hab gehört…“. Auf „Man sagt…“. Wir übernehmen fremde Meinungen wie Second-Hand-Kleidung – und tragen sie mit erstaunlicher Überzeugung.

Früher – oder vielleicht bilde ich mir das ein – hat man sich noch selbst ein Bild gemacht. Man hat beobachtet. Gesprochen. Erlebt. Heute reicht oft ein Narrativ.

Dabei wissen wir es doch besser. Wir wissen, wie sehr wir selbst im Prozess sind. Wie sehr wir uns irren können. Wie sehr wir lernen.

Nur gönnen wir anderen diese Dynamik nicht.

Vielleicht wäre die einfachste Form von Reife, Menschen nicht als Momentaufnahme zu betrachten, sondern als Prozess. Nicht als Überschrift, sondern als Geschichte, die noch geschrieben wird.

Und vielleicht beginnt das damit, dass man sich fragt:
Sehe ich diese Person wirklich – oder nur meine Version von ihr?

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