Darf man Resilienz heute noch verlangen?

Was ist eigentlich mit Resilienz passiert?

Ich meine das ernst. Nicht als „früher war alles besser“-Satz, sondern als Beobachtung: Es wirkt manchmal, als hätten wir kollektiv verlernt, Unangenehmes auszuhalten, ohne sofort daraus eine Krise zu machen. Und gleichzeitig tun wir so, als wäre das Fortschritt.

Natürlich sind Gefühle wichtig. Sie sind ein Signal. Sie zeigen dir, was in dir los ist. Aber ein Signal ist keine Anweisung. Nur weil du dich schlecht fühlst, heißt das nicht automatisch, dass etwas falsch ist. Manchmal heißt es nur: Das Leben ist gerade anstrengend. Punkt.

Und genau da kommt Resilienz ins Spiel. Resilienz ist nicht „hart sein“. Resilienz ist nicht „runterschlucken“. Resilienz ist die Fähigkeit, etwas auszuhalten, ohne sofort auszusteigen. Es ist der Unterschied zwischen „Ich fühle Angst“ und „Ich lasse Angst mein Leben führen“. Zwischen „Das tut weh“ und „Also muss es weg“.

Was ich heute oft sehe: Wir sind so schnell beim Validieren, dass wir beim Handeln aussteigen. Wir können jedes Gefühl perfekt benennen, erklären, einordnen, analysieren – aber sobald es unbequem wird, gilt es als Beweis, dass man es nicht tun sollte. Als wäre Unbehagen ein Stoppschild, statt das normale Geräusch von Wachstum.

Darf man Resilienz heute noch verlangen?

Ich würde es anders formulieren: Du musst sie nicht „verlangen“. Du zahlst einfach den Preis, wenn du sie nicht hast. Ohne Resilienz wird jedes Gespräch zur Bedrohung, jede Kritik zur Verletzung, jede Verantwortung zur Überforderung. Dann wird das Leben klein. Nicht weil die Welt so schlimm ist, sondern weil dein inneres System keine Spannung mehr toleriert.

Und ja, Gefühle sind wichtig. Aber wenn Gefühle wichtiger werden als Wahrheit, Verantwortung und Konsequenz, dann passiert etwas Gefährliches: Dann wird „so fühle ich mich“ zur ultimativen Autorität. Dann kann man nicht mehr diskutieren, nicht mehr klären, nicht mehr wachsen – weil jedes Unbehagen sofort als Angriff gewertet wird.

Resilienz ist nicht das Gegenteil von Gefühl. Resilienz ist das, was dich trotz Gefühl handlungsfähig hält.

Vielleicht ist das die eigentliche Frage: Wollen wir eine Kultur, in der sich jeder jederzeit verstanden fühlt – oder eine Kultur, in der Menschen tatsächlich stärker werden, klarer werden und ihr Leben tragen können?

Beides wäre schön. Aber wenn ich wählen muss, nehme ich Stärke. Nicht als Pose. Sondern als Fähigkeit.

Denn das Leben fragt nicht, ob du dich bereit fühlst.
Es passiert einfach.

Und Resilienz ist das, was dich dabei aufrecht hält.

Wolfgang +43 676 900 1845

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