LifeArchitect.at Selbstführung beginnt, wo Selbstbetrug endet.

Der hat Blut geleckt

Wo kommt eigentlich die Redewendung „Der hat Blut geleckt“ her? Und warum beschreibt sie erschreckend gut den Moment, in dem aus „Ich probier das mal“ plötzlich „Scheiße, jetzt will ich wissen, was noch geht“ wird?

Die Redewendung kommt ziemlich unromantisch aus der Tierwelt. Gemeint ist das Bild von Raubtieren beziehungsweise Jagdhunden, deren Jagdeifer durch das Blut der Beute weiter angefeuert wird. Daraus wurde die menschlich etwas sozialverträglichere Variante: Du probierst etwas, merkst, dass es funktioniert, und willst mehr davon.

Also Persönlichkeitsentwicklung, nur mit weniger LinkedIn und mehr Raubtier.

Du kennst diesen Moment vielleicht. Du fängst mit Sport an und Treppen fühlen sich plötzlich nicht mehr wie ein Angriff auf deine Menschenwürde an. Du setzt eine Grenze und stellst erstaunt fest, dass die Erde weiterrotiert, obwohl jemand wegen deines Neins beleidigt ist. Oder du erledigst endlich etwas, das seit Monaten auf deiner inneren Müllhalde liegt, und musst dir eingestehen: Vielleicht warst du gar nicht unfähig, vielleicht hast du nur erstaunlich konsequent nicht angefangen.

Genau da wird Blutlecken interessant. Vorher verhandelst du mit dir selbst wie mit einem Dreijährigen vor dem Süßigkeitenregal. Danach hast du etwas viel Gefährlicheres als Motivation: einen Beweis.

Du hast gesehen, dass du etwas verändern kannst. Damit bekommt dein inneres Ausredenministerium ein ernstes Personalproblem, denn „Ich kann das nicht“ klingt plötzlich ziemlich bescheuert, wenn du es gerade getan hast. Dein Kopf versucht natürlich trotzdem, die alte Geschichte zu retten, schließlich hängt seine gesamte Verwaltung daran.

Kleine Erfolge sind deshalb oft mächtiger als große Motivationsreden. Sie beschädigen deine Lieblingsidentität. Vielleicht bist du gar nicht „undiszipliniert“, sondern hast Disziplin bisher kaum trainiert. Vielleicht bist du nicht „jemand, der nie durchzieht“, sondern jemand, der bisher verdammt zuverlässig früh aufgehört hat.

Das klingt ähnlich, ist aber ein entscheidender Unterschied. Das eine erklärt dein Verhalten zum Schicksal. Beim anderen kannst du etwas tun.

Und genau hier steigen viele wieder aus. Sie haben Blut geleckt, sehen plötzlich, was möglich wäre, und legen den Erfolg anschließend wie ein ausgestopftes Jagdtier ins Wohnzimmer. Schön anzusehen, aber bewegt sich nicht mehr.

Warum? Weil Erfolg eine ziemlich unangenehme Nebenwirkung hat: Er zerstört Ausreden. Wenn du weißt, dass du es kannst, wird es deutlich schwieriger, dich weiter hinter „Ich kann halt nicht“ zu verstecken.

Dann wird aus Motivation Verantwortung, und Verantwortung ist leider kein besonders unterhaltsamer Influencer. Sie tanzt nicht morgens neben deinem Bett und schreit „Du schaffst das!“. Sie fragt nur trocken, warum du heute wieder nicht gemacht hast, was du gestern noch unbedingt wolltest.

Wenn du also gerade Blut geleckt hast, warte nicht auf den nächsten Motivationsrausch. Schau dir lieber an, was konkret funktioniert hat. Welche Handlung hast du wiederholt, welche Ausrede nicht mehr akzeptiert, welche Entscheidung endlich getroffen?

Denn genau daraus baust du etwas, das wesentlich wertvoller ist als Motivation: ein System, das auch an einem durchschnittlichen Dienstag funktioniert, wenn du ungefähr so viel Lust auf Selbstoptimierung hast wie auf eine Darmspiegelung.

Blut geleckt zu haben heißt nicht, dass es jetzt leicht wird. Es heißt nur, dass du keine theoretische Ahnung mehr davon hast, was möglich sein könnte. Du hast einen Beweis.

Und wenn du gerade an diesem Punkt bist, schon etwas bewegt hast und jetzt weiter Gas geben willst, dann ist „Reiß dich mal zusammen, du Lappen!“ ziemlich genau für diesen Moment geschrieben. Nicht als Motivationszucker für zwei euphorische Tage, sondern für die Phase danach, wenn du aus einem Erfolg endlich etwas Dauerhaftes machen willst: https://lappen.lifearchitect.at.

Du hast Blut geleckt. Jetzt sorg dafür, dass daraus mehr wird als eine nette Geschichte darüber, was du einmal kurz geschafft hast.

#BlutGeleckt #Disziplin #Selbstführung #Selbstverantwortung #Motivation #Durchziehen #Fortschritt #Gewohnheiten #Klarheit #Handeln #Selbstbetrug #Ausreden #MentaleStärke #Persönlichkeitsentwicklung #Konsequenz #Nachtwolf #LifeArchitect #Klartext #Lappen #Weitermachen

LifeArchitect.at • Selbstführung beginnt, wo Selbstbetrug endet

Teile diesen Beitrag mit Freunden

Related Posts

Intellektualisierung

Intellektualisierung ist manchmal nichts anderes als Flucht mit beeindruckendem Wortschatz. Du kannst jedes Muster erklären, jede Prägung benennen und jeden

Read More