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Ich habe gerade ein Reel gesehen, in dem eine Lehrerin gefragt hat, wie sich Resilienz anfühlt. Die Antwort

Ich habe gerade ein Reel gesehen, in dem eine Lehrerin gefragt hat, wie sich Resilienz anfühlt. Die Antwort eines Schülers war erstaunlich klar: Das Wort Resilienz klingt positiv, aber während man resilient ist, fühlt es sich definitiv nicht positiv an. Und genau da sitzt die Wahrheit, ziemlich ungeschminkt und ohne Motivationsmusik im Hintergrund. Resilienz klingt im Nachhinein edel, während sie passiert, riecht sie eher nach Chaos, Überforderung und innerem Überleben auf Kante.

Wir haben aus Resilienz so ein hübsches Coaching-Wort gemacht. Stark sein, wieder aufstehen, weitermachen, nicht zerbrechen, am besten noch mit Sonnenuntergang und dramatischem Klavier drunter. In der Realität sieht Resilienz selten so aus. Sie sieht aus wie müde Augen, eine leere Küche um Mitternacht, ein Körper, der irgendwie funktioniert, obwohl innen alles nach Systemabsturz klingt. Aber klar, nennen wir es ruhig „innere Stärke“, damit es nicht so sehr nach „Ich weiß auch nicht, wie ich das gerade schaffe“ aussieht.

Die Reaktion der Lehrerin war deshalb so stark, weil sie nicht versucht hat, den Satz pädagogisch weichzuspülen. Sie sagte sinngemäß: Das ist schön, denn resilient sein fühlt sich überhaupt nicht resilient an, sondern chaotisch. Genau. Endlich mal kein Plastikoptimismus aus der Abteilung „Du bist stärker als du denkst“. Manchmal bist du nicht stärker als du denkst. Manchmal bist du einfach nur noch nicht umgefallen, weil irgendetwas in dir auf Autopilot weiterläuft.

Resilienz ist kein Heldencape. Resilienz ist eher dieser schmutzige alte Mantel, den du dir überwirfst, wenn das Leben wieder beschlossen hat, dich ohne Vorwarnung durch den Dreck zu ziehen. Sie fühlt sich nicht nach Sieg an, sondern nach Durchhalten, obwohl du keinen Bock mehr hast. Nach Atmen, obwohl alles eng ist. Nach Aufstehen, obwohl der Boden gerade erstaunlich überzeugend wirkt.

Und genau deshalb ist es so gefährlich, Resilienz romantisch zu verklären. Wer resilient ist, braucht nicht immer Applaus, sondern oft erstmal Ruhe. Nicht noch eine Predigt über Wachstum, sondern jemanden, der begreift, dass Überleben nicht automatisch glänzt. Viele Menschen wirken stark, weil sie gelernt haben, nicht sichtbar zu zerfallen. Das heißt nicht, dass es ihnen gut geht, sondern nur, dass sie ihre Trümmer ordentlich stapeln können.

Der Schüler hat etwas ausgesprochen, was viele Erwachsene nie begriffen haben. Positive Begriffe beschreiben oft erst rückblickend, was sich im Moment selbst beschissen angefühlt hat. Heilung fühlt sich nicht immer heilend an. Wachstum fühlt sich nicht immer wachsend an. Veränderung fühlt sich nicht immer befreiend an. Und Resilienz fühlt sich nicht resilient an, sondern manchmal wie ein schlechter Tag, der einfach nicht aufhört.

Vielleicht sollten wir also aufhören, Menschen für ihre Resilienz zu bewundern, ohne zu sehen, was sie kostet. Nicht jeder, der stark wirkt, ist gerade stark. Manche sind nur geübt darin, nicht zusammenzubrechen, weil Zusammenbrechen nie eine sichere Option war. Das ist keine Superkraft. Das ist oft eine Überlebensstrategie mit höflichem Gesichtsausdruck.

Am Ende ist Resilienz nicht das schöne Wort, das wir später auf unsere Geschichte kleben. Resilienz ist der matschige, unbequeme, hässliche Teil mitten drin. Der Moment, in dem du nicht weißt, ob du es schaffst, aber trotzdem den nächsten Schritt machst. Nicht elegant. Nicht inspirierend. Aber echt. Und vielleicht ist genau das der Punkt: Resilienz sieht von außen stark aus, fühlt sich von innen aber oft an wie ein verdammtes Durcheinander, das einfach weitergeht.

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